Das erste 80-Meter-Teilstück ist bereits Ende 2017 entstanden. Nun nutzt der Verein “Ländlicher Raum aktiv” die frostigen Temperaturen, um den Bürgerradweg von Vahlhausen zum Waldbad Meinberg weiter zu bauen.
“Bei Frost lässt sich gut baggern”, erklärt Huber Ebers. “Aufgeweichten Boden könnten die Lkw nicht befahren.” Der Spatenstich im Dezember 2017 sei nötig gewesen, um entsprechende Mittel zu bekommen. Knapp 200.000 Euro wird der etwa einen Kilometer lange Weg kosten, der entlang der Vahlhausener Straße unter den B1 hindurch zum Waldbad führt. Dass die Unterführung der Bundesstraße damals vorausschauend (?) breit genug gebaut worden ist, ist Glück für die ehrenamtlichen Planer.
Dafür bereitete ihnen die Trasse am Waldbad anfangs Kopfzerbrechen. Eine alte Buchenhecke war im Weg, sollte aber stehen bleiben. Die Lösung: Der Bürgerradweg verläuft nun hinter der Hecke über das Gelände des Freibads. Auf einen schmalen Streifen der Liegewiese muss das Bad künftig verzichten, bekommt aber vom Verein einen neuen Metallzaun bezahlt. “Und die Radfahrer haben einen schönen Blick aufs Waldbad”, sagt Ebers. Überhaupt sei das Bad künftig aus beiden Richtungen per Rad erreichbar.
Denn jenseits des Freibads soll die Trasse auf dem Promenadenweg verlaufen, der abseits der Straße die S-Kurve Richtung Bad Meinberg abkürzt. “Der wird von uns mit wiederhergestellt”, sagt Ebers. Der Weg ist derzeit in einem schlechten Zustand. Teile sind unterspült, der Asphalt bröckelt rechts und links ab. Künftig wird er wie der restliche Bürgerradweg zwei Meter Breite mit einer 50 Zentimeter breiten Bankette rechts und links haben. “Das ist der Standard für städtische Rad- und Gehwege.”

Denn die Stadt übernimmt später den Weg. Die benötigten Flächen befinden sich ohnehin zum Großteil im Besitz der öffentlichen Hand. “Für sie wird eine Grunddienstbarkeit eingetragen”, erklärt Ebers. “Sie bleiben im Besitz des Eigentümers, er bekommt aber eine Entschädigung für die nicht mehr mögliche Nutzung.” Das spare auch eine aufwendige Vermessung. Und weil der Verein die gesamten Vertragsverhandlungen mit den Grundstückseigentümern, die Bürokratie, die Planung und die Bauleitung ehrenamtlich erledige, sei er wesentlich günstiger, als wenn Stadt oder Straßen-NRW den Radweg selbst bauen würde. “Wir würden hier nie und nimmer solche Radwege von der Öffentlichen Hand bekommen”, sagt Ebers. “Das Land würde das Geld nicht nach OWL geben.” Weil Bürgerradweg-Vereine aber günstiger bauen können, gibt es einen Fördertopf. Aus dem zahlt Straßen-NRW den Löwenanteil von 90 Prozent der Baukosten. “Wir bekommen 50 Euro pro Quadratmeter aus dem Radwegeprogramm des Landes”, berichtet Ebers. Die restlichen zehn Prozent stammen aus Spenden von Anwohnern und lokalen Unternehmen. Von der Stadt wird kein Geld benötigt.

Die besseren Kontakte zu den Grundstückseigentümern seien ein weiterer Vorteil, den der Verein “Ländlicher Raum aktiv” – ein gemeinsame Gründung von sieben Heimatvereinen – nutze, um schneller bauen zu können. “Eine genehmigungsfähige Trasse zu finden, ist heute nicht ganz einfach. Städte haben es schwerer”, sagt Ebers. “Wir sind bürgernäher. Es gibt immer jemanden, der wen kennt.”

Im Gegenzug würden zahlreiche Hofeinfahrten und “Muckelecken” entlang der Trasse im Zuge der Bauarbeiten schön gemacht, freut sich Ebers. Der Verein legt Wert darauf, das hinterher alles ordentlich aussieht. Im Frühjahr soll alles fertig werden.

Dann möchte der Verein den nächsten Bürgerradweg bauen: von Billerbeck nach Steinheim. Da der 2,3 Kilometer lange Weg später vom Land übernommen werden soll, muss er 2,50 Meter breit werden. Diesmal müssen auch die beiden Städte Geld dazulegen: 86.000 Euro. “Soweit ich hörte, wollen sie das Geld bereitstellen”, sagt Ebers. “Im April rechnen wir mit der Zusage vom Land und dann kann es losgehen.”

 

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Lippische Landes-Zeitung, Dienstag 13. Februar 2018